20. Mai 2017

Wir. Müssen Reden 151 - Obama revisited

Michael Seemann (mspro) und Max von Webel (343max) haben Redebedarf und wollen mit mir in ihrem Traditions-Podcast »Wir. Müssen Reden« über die Drohnenkriege, die Präsidentschaft von Barack Obama und einiges mehr sprechen. Die Idee ist offenbar ein wenig eskaliert und die Beiden haben eine öffentliche Live Show in Berlin draus gemacht.

Wir. Müssen Reden: WMR151 – Obama revisited
Freitag, 2. Juni 2017, um 19 Uhr in Berlin (Einlass 18:30 Uhr)
Wikimedia Deutschland e.V., Tempelhofer Ufer 23-24, 10963 Berlin
Infos und Tickets bei Eventbrite; Livestream hier.
Willkommen.

Nachtrag:
Wie soeben von Max und Michael gemeldet wurde, es gibt keine Abendkasse für das Event, die Tickets müssen tatsächlich im Vorverkauf bei Eventbrite erworben werden: 7 Euro plus Gebühren und Steuern, macht knapp 10 Euro; Getränke inklusive. Wem das zu teuer ist – wir können auch gerne danach was trinken gehen...

31. Dezember 2016

»Drohnenkrieg« kurz erklärt

Drohnen sind unbemannte und ferngesteuerte Luftfahrzeuge, seltener sind auch Wasser- und Landfahrzeuge gemeint. In den letzten drei Jahrzehnten hat der militärische Gebrauch von Drohnen zugenommen, zunächst zur Aufklärung und Überwachung, nach den Anschlägen vom 11. September 2001 werden Drohnen auch für Luftschläge gegen Terrorverdächtige eingesetzt.

Spätestens seit dem 1. Weltkrieg werden Drohnen militärisch genutzt, sie blieben lange eher eine Randerscheinung. Die Drohnentechnologie verlor ihr Nischendasein ab den 1990 Jahren als der technische Fortschritt zunehmend sowohl Steuerung als auch Datennutzung in nahezu Echtzeit ermöglichte. Der „globale Krieg gegen den Terrorismus“ nach 9/11 brachte den politischen Impuls für den Einsatz einer Reihe von automatisierten und ferngesteuerten Technologien. Das Scheitern der Weltmächte in den asymmetrischen Konflikten in Vietnam in den 1970er und in Afghanistan in den 1980er Jahren hatte für die Bereitstellung von erheblichen Budgets für Forschung und Entwicklung in diesem Bereich gesorgt. Neben vielen taktischen Vorteilen bei den Drohneneinsätzen ist insbesondere der fehlende menschliche Faktor das Erfolgskriterium: Hier besteht kein Risiko für die eigenen Soldaten, was eine der zentralen Taktiken insbesondere von dschihadistischen Aufständischen konterkariert.

Die Bezeichnung Drohnenkrieg wurde in den letzten fünf Jahren zu einem populären Schlagwort und fasst eine Reihe von politischen und militärischen Entwicklungen zusammen. Bekannt wurden insbesondere Einsätze US-amerikanischer ferngesteuerter Kampfdrohnen der Typen Predator und Reaper, welche vor allem mit Hellfire-Raketen (Luft-Boden-Raketen) Bodenziele beschießen. Diese Einsätze (insbesondere in Afghanistan und Pakistan, Jemen, Somalia) dienen der gezielten Tötung von vermuteten Mitgliedern terroristischer Gruppen. Doch diese Form der „Jagd auf Terroristen“ ist alles andere als präzise und sauber, denn immer wieder sterben Unbeteiligte bzw. Zivilisten, z.B. durch den Beschuss von Wohngebäuden, PKWs oder anderen zivilen Zielen.

Die Signature Strikes sind eine Art Rasterfahndung mit Drohnen und Vor-Ort-Exekution, z.B. in den Stammesgebieten in Nordwest-Pakistan. Die Identität der Zielpersonen muss dabei nicht einmal bekannt sein: Es reichen bereits sehr allgemeine Verhaltensmuster und Gruppenmerkmale („all military-age males in a strike zone”) als Verdachtsgrund.

Zur Zielbestimmung für Drohnenschläge werden auch anlasslos gesammelte Metadaten aus den globalen Überwachungsprogrammen der Geheimdienste genutzt. Diese ermöglichen eine nahezu beliebige Identifikation, Lokalisierung und Liquidierung ausgewählter Personen. Die Frage nach dem Sinn weltweiter Massenüberwachung ist mit Blick auf solche Tötungsprogramme neu gestellt.

25. November 2016

Smarte Worte. Das kritische Lexikon der Digitalisierung

Die Konferenz Unboxing. Algorithmen, Daten und Demokratie Anfang Dezember in Berlin beschäftigt sich mit den gesellschaftlichen Folgen der Digitalisierung. Zur Konferenz ist soeben Smarte Worte. Das kritische Lexikon der Digitalisierung erschienen. Vorab wurden Stichworte des Lexikons als gemeinsames Online-Projekt der Rosa-Luxemburg-Stiftung und der Tageszeitung Neues Deutschland gebloggt, siehe Smarte Worte. Für das Lexikon habe ich den Drohnenkrieg in 4.000 Zeichen erklärt. – Das Stichwort »Drohnenkrieg« ist nun auch hier in meinem Blog zu finden.


Lesenswert ist auch das Editorial zum Auftakt der Onlinepublikation: Big Data oder: Ein Arbeitszimmer groß wie Dänemark. Das Lexikon ist ab sofort als PDF verfügbar, als gedrucktes Buch ab dem 07.12.2016. 

17. August 2016

Podcasts zum Drohnenkrieg

Bei zwei Podcasts rund um das Thema Drohnenkrieg war ich in den letzten Wochen zu Gast.

Andreas Potzlow, Fotograf und Journalist, hat dieses Frühjahr den Podcast Cybererrorism – releases from dystopia gestartet und ich hatte die Ehre, der erste Gesprächspartner zu sein: „Wenn Big Data tödlich ist“.
Auf der Cryptocon16 hatte ich die Gelegenheit mit Norbert Schepers von der Rosa Luxemburg Stiftung ein Gespräch zu führen im Anschluss an seinen Vortrag “Wenn Big Data tödlich ist“. Eine kurze Einführung zum Thema, die Situation der Menschen vor Ort, sowie die Rolle der Ramstein Air Base in Deutschland sind unsere Themen (…)
Die Technische Aufklärung ist ein DER Podcast zum Geheimdienst-Untersuchungsausschuss (#NSAUA) des Deutschen Bundestages. Bereits über ein Jahr wird mit regelmäßigen Sendungen über das Geschehen in den öffentlichen Ausschusssitzungen informiert und zusammen mit Gästen kommentiert. Nominiert für den Grimme Online Award 2016. Ende Juni habe ich mich mit Felix Betzin (Podcast Producer) und Daniel Lücking (Journalist und ehemaliger Soldat der Bundeswehr in Afghanistan) unterhalten: „TA041 – Drohnen und der geheime Krieg“
Wir haben mit Norbert Schepers und Daniel Lücking über den geheimen Krieg gesprochen. Wie wird er geführt und welche Rolle spielt die Überwachung darin? (…)



Vielen Dank an meine interessanten GesprächspartnerInnen und allen gute Erkenntnisse beim Reinhören!

1. Juni 2016

Drohnenkrieg und Flucht

Aufruf zu einer Befragung als Teil des Projekts »The Drone Wars — Die Drohnenkriege«

Drohnen (unbemannte, ferngesteuerte Luftfahrzeuge) werden in den letzten Jahren zunehmend für militärische Zwecke benutzt: Aufklärung und Überwachung, aber auch Luftschläge. Bekannt wurden insbesondere Tötungseinsätze britischer und US-amerikanischer ferngesteuerter Kampfdrohnen der Typen Predator und Reaper, welche vor allem mit Hellfire-Raketen (Luft-Boden-Raketen) Bodenziele beschießen.

Wir von der Rosa-Luxemburg-Initiative (das ist die Rosa-Luxemburg-Stiftung in Bremen) haben in den letzten Jahren intensiv zum Thema Drohnenkrieg gearbeitet und dazu bundesweit Vorträge gehalten. Wir versuchen, dazu auch die Sichtweise der Opfer dieser Art der Kriegsführung zu Wort kommen zu lassen. Wir wollen nun nach Deutschland Geflüchtete zu ihren Erfahrungen mit Drohnen befragen und die Ergebnisse in geeigneter Form dokumentieren. Die ZeugInnen entscheiden dabei, in welcher Form (Audio, Video) ihre Berichte öffentlich gemacht werden. Wir wollen damit die Sicht der Opfer im Diskurs über den Drohnenkrieg deutlicher und stärker sichtbar machen, und besonders diese Menschen selbst zu Wort kommen zu lassen.

Bitte melden Sie sich bei uns:
· Haben Sie Erfahrung mit Drohneneinsätzen gemacht? Wollen Sie uns etwas über dieses Thema erzählen? Kontaktieren Sie uns, sodass wir Ihrem Bericht in einer freundlichen Umgebung zuhören können. Sie entscheiden, in welcher Form wir das Gesagte dokumentieren dürfen.
· Haben Sie aktivistische, ehrenamtliche oder professionelle Erfahrungen mit diesem oder ähnlichen Themen? Können Sie uns helfen, Kontakt zu interessierten Geflüchteten herzustellen? Wir freuen uns auf Ihre Hilfe oder Mitwirkung in diesem Projekt.

24. Mai 2016

Vortragsvideo: Wenn Big Data tödlich ist…

Bei der CryptoCon16 habe ich über Globale Überwachung und Drohnenkrieg gesprochen. Das Video von meiner Lecture vom Samstag, 21. Mai 2016, im Hackerspace sublab in Leipzig ist bereits beim
CCC-TV online.
Der Kampf gegen Überwachung und Kontrolle durch den Staat ist historisch gesehen ein gemeinsames Kernthema von linksemanzipatorischen Bewegungen und Hackerkulturen.
Dennoch mangelt es an wirksamer Aufklärung und an wirksamen politischen Aktivitäten gegen die Totalüberwachung, der wir weltweit ausgesetzt sind. Der öffentliche Druck gegen die massenhafte, anlasslose Überwachung gehört aber auf die politische Agenda, umso mehr es bei den globalen Datensammlungen nicht um die Gewinnung von Informationen um ihrer selbst willen geht, sondern um deren Verwendung im Zusammenhang mit dem „globalen Krieg gegen den Terrorismus“. Die gesammelten Daten sind insbesondere Grundlage für die Lokalisierung und Liquidierung von Terrorverdächtigen und mutmaßlichen Feinden – ohne nennenswerte externe oder demokratische Kontrolle – quasi Hinrichtungen ohne Prozess. Dabei spielt inzwischen der Einsatz von Drohnen eine zentrale Rolle.

9. Januar 2016

Gerd

Zwischen den Feiertagen ist am 30. Dezember 2015 überraschend mein Freund Gerd, Gerhard Arndt, im Alter von 76 Jahren verstorben.

Gerd Arndt; Foto: Partei DIE LINKE. Bremen, http://www.dielinke-bremen.de/wahlen/wahlen_15_in_hb_brhv/bremer_beiratskandidatinnen/hemelingen/

Bei der Rosa-Luxemburg-Initiative habe ich dazu ein paar kurze Sätze geschrieben; hier eine kleine, persönliche Erinnerung, die ich liebgewonnen habe:
Eine Abendveranstaltung, die ich 2011 für die Rosa-Luxemburg-Initiative moderieren sollte, aber keine Kinderbetreuung für meinen dreijährigen Sohn. Gerd sprang sehr kurzfristig ein und mein Sohn saß im Hintergrund des Raumes zwei Stunden vergnügt und zufrieden bei ihm auf dem Schoß, bis der Referent uns grinsend alle nach Hause schickte...